Indiana Grube und das Ticket des Todes

IT-(Groß-)Projekte, die durch staats­nahe — oder staat­li­che — Fir­men durch­ge­führt wer­den, sind ein stän­di­ger Quell der Freude. Ich erin­nere nur an das Desas­ter mit der Arbeitsamt-Software A2LL oder an die end­lo­sen Späße mit der LKW-Maut.

Die Deut­sche Bahn kam jetzt offen­bar auf den Trich­ter, dass ihre Fahr­schein­au­to­ma­ten einer Über­ar­bei­tung bedür­fen. Was mich ehr­lich gesagt ver­wun­dert, denn nach lan­gen Jah­ren der Unbe­dien­bar­keit war die letzte Gene­ra­tion der Touchscreen-Klötze end­lich halb­wegs brauch­bar und man fand das Gewünschte rela­tiv ein­fach — grund­le­gende Tech­nik­kennt­nisse vor­aus­ge­setzt, bei­spiels­weise das Bedie­nen des TV-Netzschalters.

Doch die Ent­schei­der der Bahn in ihrer unend­li­chen Weis­heit beschlos­sen (mög­li­cher­weise nach dem has­ti­gen Genuß einer völ­lig über­teu­er­ten Fla­sche Leber­kleis­ter in einem Bord­bis­tro), dass das ein­fa­cher sein müsste und betrau­ten irgend­wel­che GUI-Designer und Pro­gram­mie­rer mit einer Über­ar­bei­tung der Soft­ware. Jeder der in dem Bereich tätig ist, kennt das geflü­gelte Wort »never change a run­ning system«.

Heute war das (neu­deutsch) »roll out« (das sich aller­dings noch über Wochen hin­zie­hen soll), das bedeu­tet seit heute ste­hen die Bahn­kun­den vor den alten Auto­ma­ten mit der neuen Soft­ware und zie­hen lange Gesich­ter. Es kommt zu deut­li­chen War­te­zei­ten, weil diese neue Soft­ware — die doch viiiiel bes­ser sein sollte — nach Aus­sa­gen auch erfah­re­ner, tech­ni­kaf­fi­ner Bahn­fah­rer deut­lich undurch­schau­ba­rer ist als die vor­he­rige. Erschwe­rend kommt hinzu, dass die neuen Pro­gramme offen­bar zu Abstür­zen nei­gen. Und schluss­end­lich soll­ten angeb­lich an den Auto­ma­ten Bera­ter ein­ge­setzt wer­den, um die ver­zwei­fel­ten Ticket­zie­her zu unter­stüt­zen, aber von denen ist aber lei­der allzu oft nichts zu sehen.

DB-Fernverkehr-Sprecher Hol­ger Auf­er­kamp: »Ziel ist es, dass die Kun­den mit deut­lich weni­ger Klicks zum Ziel kom­men.« Muhaha!

Man möge mir mein Fei­xen ver­ge­ben — aber eine Deut­sche Bahn, die noch nicht ein­mal etwas ver­gleichs­weise Tri­via­les wie eine neue Soft­ware für Ticket-Automaten gestemmt bekommt, will uns tat­säch­lich ver­kau­fen, ein Mil­li­ar­den­pro­jekt wie Stutt­gart 21 ohne Pro­bleme abwi­ckeln zu können?

Bitte hys­te­ri­sches Kichern einblenden…

Bild: Fahr­kar­ten­au­to­mat der DB, aus der Wiki­pe­dia, CC-Lizenz