Rumgeschlaue über Web und die Welt

Stuttgart 21: Volksverdummung erfolgreich!

Wie heute lautstark durch die Medien geistert, hat sich das Verhältnis derjenigen, die für Stuttgart21 sind zu denjenigen, die dagegen sind, umgedreht. Waren vor der Schlichtung noch ca. 70% der Bundesdeutschen dagegen, sind nun ungefähr so viele dafür.

Wie jetzt?

Das kann doch nicht wahr sein. Da lassen sich tatsächlich erwachsene, angeblich mündige Bürger von einer Phantomschlichtung, deren Ergebnis schon vorher festand, ja feststehen musste, tatsächlich derart massiv verblenden? Oder handelt es sich hierbei um ein manipuliertes Ergebnis, das von den Medien lanciert wird, um Akzeptanz für das unsägliche Projekt zu erzeugen? Immerhin soll man ja nur Statistiken glauben, die man zuvor selbst gefälscht hat…  Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, klar ist aber, dass nichts an S21 besser ist als vorher.

Denn – wenn wir mal ehrlich sind – was ist denn jetzt an der Sachlage anders als vor der Schlichtung? Geißlers Änderungsvorschläge müssen gar nicht umgesetzt werden und sie lassen noch immer diverse technische, ökologische und stadtplanerische Bedenken außer acht. Keuper bleibt nunmal Keuper, ob mit oder ohne Plus hinter dem S21.

Auch die Aussage der Bahn, dass die Änderungen so viel ja nun gar nicht kosten werden, kann doch nur jemand glauben, der auch den Fahrplänen der Bahn glaubt (und das wird jemand, der täglich mit den Zügen des Servicewüstenvereins fahren muss ganz sicher nicht tun).

Um es mal ganz deutlich und drastisch zu formulieren: Wie blöd muss man eigentlich sein, um alle Bedenken im Angesicht einer halbgaren Mögelschlichtung fahren zu lassen? Könnt ihr nicht mal was anderes lesen, außer Bild?

Interessante und inhaltlich erleuchtende Betrachtungen hierzu und warum S21 auch mit Plus immer noch der größte Bullshit seit der Gründung der CDU ist, findet man beim Spiegelfechter.

Und dann war da ja auch noch der unnötige und überzogen brutale Polizeieinsatz, der von Mappus, Rech und Co zu verantworten ist. Alleine dafür gehören die Verantwortlichen an den Eiern aufgehängt aus ihren Ämtern umgehend entfernt. Wenn ich diese Verfassungsfeinde jetzt überheblich siegesgewiß in Fernsehkameras grinsen sehe, dann kommt es mir hoch.

WIR SIND DAS VOLK, NICHT IHR! IHR SEID UNSERE VERDAMMTEN LAKAIEN, NICHT UNSERE HERRSCHER!

Und von wegen, der dicke Mappus hat nichts gewusst und nur die Polizei ist schuld. Wie durch den Untersuchungsausschuss inzwischen bekannt wurde, hatt Mappus von der Polizei ein “offensives Vorgehen” gefordert. [UPDATE] Der Polizeichef wollte den Einsatz abblasen [/UPDATE] Noch irgendwelche Fragen?

Ja, ich habe noch eine Frage: Warum sind der und die anderen Verantwortlichen noch im Amt und nicht wegen Verbrechen gegen das Grundgesetz und die Menschenrechte im Knast? Achso, die sind ja bei der CDU, entschuldigung, das hatte ich kurz vergessen.

Stuttgart 21: Revolution geht weiter und Baum im Schlosspark

Heute fand erneut eine  friedliche Demonstration der Projektgegner statt. Sogar die Angaben der Polizei, die ja in aller Regel nur halb so hoch sind wie die der Veranstalter, lagen bei sensationellen 65000 Teilnehmern, die Gegner selbst sprechen von 150000 Personen. Egal – ein Rekord! Super gemacht und weiter so!

Heinerle ist verdächtig ruhig…

Ansonsten nur noch ein Bild eines noch lebenden Baumes im Schlosspark:

Bild Copyright Vanessa Vlassakidis

Stuttgart 21: Heiner Geißler als Mappus’ Sockenpuppe

Hie und da wird in Anlehnung an Jim Hensons beliebte TV-Sendung mit bekloppten Puppen in Hinsicht auf die Vorgänge in Baden-Wüttemberg bereits von einer “Mappus-Show” gesprochen. Ganz falsch ist das sicher nicht, denn was dort um Stuttgart und den Bahnhofs”umbau” vor sich geht, ist stellenweise an Skurrilität nicht zu überbieten. Man könnte auch “Lächerlichkeit” sagen, wenn es nicht so traurig wäre, was in einer angeblichen Demokratie heutzutage möglich ist.

Zuerst geht man vollständig unverhältnismäßig mit der vollen Macht des Staates und unter Einsatz von maskierten und gepanzerten Polizisten, Reizgas und Wasserwerfern gewalttätig gegen Schüler und Senioren vor, dann versucht man das trotz unzähliger Verletzter klein zu reden und die Schuld den angeblich Steine werfenden Demonstranten zuzuschieben. Und das, obwohl die zahlreich vorhandenen unabhängigen Bilddokumente und auch Zeugen eine völlig andere Sprache sprechen.

Dann zieht Mappus in seiner Not, das lokalen und überregionalen Wirtschaftsgrößen versprochene und offenbar durchlavierte Projekt gegen den Willen der Mehrheit der Bürger durchsetzen zu müssen, den Joker Heiner Geißler. Der sollte als Schlichter agieren, den Job kennt er, hat er doch immerhin bereits beim Streit Bahn gegen Lokführer für ein Ende der Auseinandersetzungen gesorgt.

Doch hier geht es nicht um Lohnverhandlungen, hier geht es um massiven Bürgerprotest gegen ein mit aller Gewalt durchgedrücktes Projekt, von dem man weiß, dass es sowohl finanziell wie auch ökologisch Unsinn ist und den bundesdeutschen Steuerzahler Milliarden mehr kosten wird, als genannt wurde.

Forsch ging Heiner dann auch zur Sache und verkündete, dass während der Verhandlungen ein Bau- und Vergabestopp herrschen werde.

Man kann sich gut vorstellen, wie den Herren Waldorf und Statler … äh … Mappus und Grube die Kaviarhäppchen angesichts dieser Aussage aus der Hand gefallen sind. Das war sicherlich nicht das, was Mappus von seinem Parteifreund hören wollte, immerhin ist auch Geißler ein CDU-Mann. Das Dementi beider Herren folgte umgehend und heute morgen ist von Heinerle zu vernehmen, “das mit dem Baustopp sei wohl ein Mißverständnis gewesen”.

Um mal wieder Atze Schröder zu zitieren: “Ja, ne, is’ klar!”

Entweder ist Heiner Geißler ein unabhängiger Mittler, dann sollte er auch in der Lage sein, seine Forderungen über die Vermittlungsumstände durchzusetzen. Oder Heiner ist Mappus’ Sockenpuppe, dann soll er lieber gleich wieder gehen.

Zugute halten muss man ihm allerdings: das ist derselbe Heiner Geißler, der 2007 angesichts von Polizeigewalt beim G8-Gipfel in Heiligendamm kommentierte:

“Wenn mich einer anfasst, dann schlage ich zurück – und wenn es ein Polizist ist, dann schlage ich zurück. Wenn ich demonstriere, dann übe ich ein Grundrecht aus, dann lasse ich mich nicht anfassen – von niemandem.”

Wenn jetzt jedoch von einem Baustopp während der Verhandlungen jetzt auf einmal nach Mappus’ Machtwort keine Rede mehr ist und insbesondere das “Grundwassermanagement” vorangetrieben werden soll, das zu einer Absenkung des Grundwasserspiegels führt – wodurch nicht nur die Parkbäume ganz sicher geschädigt werden – dann ist das kein Angebot das die Gegner des Projektes dazu bringen kann oder sollte, ihre Proteste zurück zu fahren.

Im Gegenteil – das ist pure Provokation.

Solange die Mappus-Show in dieser Form weitergeht und sich zugunsten rein wirtschaftlicher Interessen der lokalen Bonzen in ihrem Weinberghäuschen gegen den Bürgerwillen einer ganzen Republik wendet (laut einer aktuellen Umfrage der ARD sind über 70% der Bundesdeutschen gegen das Projekt), muss auch der Protest weitergehen. Bis das auch die Lobbyfreundin Merkel in Berlin deutlich zu spüren bekommt und insbesondere bis sich Despot Mappus bewegt und nachgibt. Es muss endlich Schluß damit sein, dass die Politik die Interessen von Banken und Industrie gegen den Willen der Bürger durchdrückt, wie es in letzter Zeit fast täglich geschieht. Denn darum geht es in Stuttgart und nicht mehr nur um einen Bahnhof.

Bild: Heiner Geißler 2007, aus der Wikipedia, gemeinfrei

Indiana Grube und das Ticket des Todes

IT-(Groß-)Projekte, die durch staatsnahe – oder staatliche – Firmen durchgeführt werden, sind ein ständiger Quell der Freude. Ich erinnere nur an das Desaster mit der Arbeitsamt-Software A2LL oder an die endlosen Späße mit der LKW-Maut.

Die Deutsche Bahn kam jetzt offenbar auf den Trichter, dass ihre Fahrscheinautomaten einer Überarbeitung bedürfen. Was mich ehrlich gesagt verwundert, denn nach langen Jahren der Unbedienbarkeit war die letzte Generation der Touchscreen-Klötze endlich halbwegs brauchbar und man fand das Gewünschte relativ einfach – grundlegende Technikkenntnisse vorausgesetzt, beispielsweise das Bedienen des TV-Netzschalters.

Doch die Entscheider der Bahn in ihrer unendlichen Weisheit beschlossen (möglicherweise nach dem hastigen Genuß einer völlig überteuerten Flasche Leberkleister in einem Bordbistro), dass das einfacher sein müsste und betrauten irgendwelche GUI-Designer und Programmierer mit einer Überarbeitung der Software. Jeder der in dem Bereich tätig ist, kennt das geflügelte Wort “never change a running system”.

Heute war das (neudeutsch) “roll out” (das sich allerdings noch über Wochen hinziehen soll), das bedeutet seit heute stehen die Bahnkunden vor den alten Automaten mit der neuen Software und ziehen lange Gesichter. Es kommt zu deutlichen Wartezeiten, weil diese neue Software – die doch viiiiel besser sein sollte – nach Aussagen auch erfahrener, technikaffiner Bahnfahrer deutlich undurchschaubarer ist als die vorherige. Erschwerend kommt hinzu, dass die neuen Programme offenbar zu Abstürzen neigen. Und schlussendlich sollten angeblich an den Automaten Berater eingesetzt werden, um die verzweifelten Ticketzieher zu unterstützen, aber von denen ist aber leider allzu oft nichts zu sehen.

DB-Fernverkehr-Sprecher Holger Auferkamp: “Ziel ist es, dass die Kunden mit deutlich weniger Klicks zum Ziel kommen.” Muhaha!

Man möge mir mein Feixen vergeben – aber eine Deutsche Bahn, die noch nicht einmal etwas vergleichsweise Triviales wie eine neue Software für Ticket-Automaten gestemmt bekommt, will uns tatsächlich verkaufen, ein Milliardenprojekt wie Stuttgart 21 ohne Probleme abwickeln zu können?

Bitte hysterisches Kichern einblenden…

Bild: Fahrkartenautomat der DB, aus der Wikipedia, CC-Lizenz