Rumgeschlaue über Web und die Welt

Qualitätsjournalismus, Wikileaks und die “Hacker”

Ich kann es nicht mehr hören (oder lesen), wenn die gesamte “Qualitätsjournalismus” verbreitende Medien-Meschpoke im Zusammenhang mit den DDOS-Attacken auf Mastercard, PayPal und Co. ständig von “Hackern” spricht.

Passt mal genau auf, liebe Freunde von der natürlich immer gut recherchierenden Journaille, der Onkel erklärt euch mal in einfachen Worten, wie das geht (für euch vielleicht komplizierte Fachbegriffe habe ich zu erklärenden Artikeln verlinkt, aber wahrscheinlich ist euch die Recherche ebenfalls schon zuviel):

  1. LOIC herunterladen.
  2. entpacken (entzippen)
  3. Programm starten
  4. URL oder IP-Adresse eingeben
  5. Startknopf drücken
  6. Das war alles. Klingt komisch? Ist aber so!

Das kann sogar der debilste, Internet-ausdruckende Politiker, versteht ihr? Oder um es genauer zu sagen: jeder mit einer halben Hirnzelle ist dazu in der Lage, dieses Programm – oder ähnliche – zu starten, um damit nahezu beliebige Webseiten anzugreifen, dafür benötigt man definitiv keine “Hacker” und es handelt sich ebenso definitiv nicht um “Hacker”, die das getan haben, sondern maximal um Skriptkiddies.

Wenn die Polizei jetzt in den Niederlanden eine solche arme Sau verhaftet hat, dann ist das keine Heldentat und man hat garantiert weder einen Cyberterroristen, noch wird das irgendwelche Auswirkungen haben – außer für die arme Sau.

Anonymus will jetzt übrigens mit den DDOS-Attacken aufhören und ruft stattdessen dazu auf, die Wikileaks-Dokumente im Netz zu verteilen. Der Slogan lautet: “They don’t fear the LOIC. They fear exposure.”

Also, liebe Qualitätsjournalisten, beim nächsten Mal fragt ihr vor dem Verbreiten von Qualitätsdünnschiss oder stumpfem Abschreiben bei dpa erst mal jemanden, der sich auskennt, okay? Oder um Dieter Nuhr zu zitieren: “Wenn man keine Ahnung hat, einfach mal die Fresse halten!”

JMStV: Nix ist mit Abschalten!

Der ein oder andere Besucher dieses Blogs wird es gemerkt haben: zwischen 17:00 und 18:00 Uhr wird Rumschlauen aktuell abgeschaltet, stattdessen erscheint ein Hinweis auf die unsägliche Novellierung des JMStV, die ausschließlich dazu dient, damit die Telekom (und andere Erotikanbieter) auch tagsüber ohne Altersverifikation Titten zeigen kann und die etablierten Medien ihre Konkurrenz im Bürgerjournalismus los werden. Dass das mit dem Jugendschutz nur vorgeschoben sein kein, zeigt allein schon die Tatsache, dass dieser Unsinn auf Deutschland beschränkt ist und sich der Rest der Welt einen Dreck darum scheren wird, was wir in der schwarz-gelben Bananenrepublik machen.

Deshalb:
Bild: Pantoffelpunk, CC-Lizenz

“Tatort Internet” – Kinderschänderjagd auf RTL2

Ich muss hier mal einen Artikel von netzpolitik.org wiedergeben, weil mir zu sehr die Worte fehlen, um selbst was dazu zu schreiben (der Artikel steht unter CC-Lizenz)…

Los geht’s:

Stephanie zu Guttenberg, erklärte Freundin von Netzsperren und Gattin des Herrn von und zu Verteidigungsminister startet heute auf RTL II zur Prime Time mit ihrer neuen Sendung “Tatort Internet – Schützt endlich unsere Kinder”. Die als Magazin bezeichnete Sendung sollte eigentlich wohl am kommenden Montag starten. Den gleichlautenden Titel des aktuellen Stern nimmt man nun zum Anlass, die Sendung vorzuverlegen.

Angelehnt ist das Format an NBCs “To catch a Predator“, bei der mit versteckter Kamera Menschen die sich fiktiven Minderjährigen über das Internet sexuell annähern wollten “erwischt”, angeprangert und verhaftet wurden. Weil ich vor Fassungslosigkeit keinen geraden Satz formulieren kann, zitiere ich die wahlweise enorm lächerliche bzw. besorgniserregend euphorische Ankündigung bei DWDL.de:

Doch die Sendung setzt nicht nur auf Effekthascherei. Das Ziel von “Tatort Internet” ist eine Gesetzesänderung, damit nicht nur der tatsächliche Kindesmissbrauch sondern auch die unsittliche Annäherung über das Internet, das sogenannte Cyber-Grooming, unter Strafe gestellt werden kann. Eine Absicht, die auch Minister-Gattin Stephanie zu Guttenberg mit dem von ihr unterstützten Verein “Innocence in Danger” verfolgt.

Außerdem wird Udo Nagel, ehemaliger Hamburger (!) Innensenator die Sendung mit gestalten. Bei RTL II beabsichtigt man mit der Sendung durch gesellschaftliches Engagement und die Beschäftigung einer hochqualitativen Produktionsfirma sein Image aufzubessern (kein Scheiß!).

[Update] Twister auf Telepolis zum Thema, Stichwort: “Widerlich”

[Update 2] Man könnte darüber nachdenken, zu einem RTL2-Boykott aufzurufen, aber ob das die Couch-Potatoes erreicht?