Seit Montag sind sie offiziell, die Pläne und der neue Gesetzesentwurf der Bundesregierung zum Thema ALG II, auch unter dem Namen Hartz IV bekannt. Bestellt Champagner und betankt den Porsche, ihr spätrömisch Dekadenten, es gibt fünf Euro mehr. Das Bundesverfassungsgericht hatte ja bekanntermaßen die Berechungsgrundlagen bemängelt und die Regierung war in Zugzwang.
Tja, deswegen wurde neu berechnet. Zuerst einmal sollte man die Stirn darüber runzeln, dass die zugrunde liegenden Statistiken nicht offen gelegt werden sollen. Wenn die Zahlen belastbar wären (die Leyenpredigerin behauptet forsch, die seien “unbestechlich”), müsste man sie nicht verstecken. Aber in dieser Sache wurde eine Klage bereits angekündigt.
Es gibt allerdings diverse Unterlagen zu diesem Thema, die man einfach so auf der Webseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales herunter laden kann (dort am unteren Seitenende, siehe aber auch Link am Ende dieses Artikels). Und da gibt es dieses Pamphlet mit Zahlen zu Ausgaben von Haushalten (aus dem Jahr 2008). Es handelt sich hierbei um die 15% der Haushalte am unteren Rand des “finanziellen Spektrums”. Verwaltungssprech dafür: “unterste 15% der nach dem Haushaltsnettoeinkommen geschichteten Haushalte”.
Bis hierher noch alles klar? Gut. Dann kommen wir jetzt zu den Zahlen, ich möchte exemplarisch ein Beispiel herausnehmen, an dem man schon deutlich sehen kann, warum nicht nur ich die Zahlen für zusammengelogen halte:
Seite vier, Tabelle über Wohnungsausgaben.
Erfasste Haushalte: 1531. Aha.
Davon verbrauchen aber nur 1436 Strom..?
Wie jetzt? Was ist denn mit den 95 anderen Haushalten (immerhin ca. sechs Prozent)? Ne Hütte im Wald? Wohnung unter der Brücke? Gilt die überhaupt als “Haushalt” in dem Sinne? Ich wage es zu bezweifeln und wenn das doch in die Berechnungen einbezogen worden sein sollte, dann ist das eine unglaubliche Deistigkeit. Und selbst wenn, sechs Prozent keine Angaben gemacht haben, darf man die nicht einfach mit “Null” in die Berechnung aufnehmen, den das zieht selbstverständlich den Durchschnitt unkorrekt nach unten – da hilft auch die Gewichtung nach tausend nicht.
Und wenn man den Blick etwas weiter nach unten schweifen läßt (Code 0451 010), erkennt man, dass die Stromkosten in Miethaushalte und Eigentumshaushalte aufgeschlüsselt wurden. Interessanterweise ergibt aber die Addition dieser beiden Posten eine geringere Summe als die darüber genannte Gesamtzahl zum Thema Strom..? Wo versickert denn der Rest? Entropischer Schwund? Den mache ich dann ab sofort bei der Stromrechnung geltend.
Wenn man auf den ersten Blick bereits derartige Ungereimtheiten in den Unterlagen entdeckt, würde es mich sehr wundern, wenn die Zahlen belastbar wären. “Zusammengelogen” wäre ein Wort, das mir in spontan den Sinn kommt, “frisiert” ein anderes…
Hier der Link zum Pamphlet (PDF-Datei)